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HSK-SPD nominiert Landratskandidat

Am 18. Mai wurde der folgende Artikel in Westfalenpost und Westfälischer Rundschau veröffentlicht.

Autorin: Rita Maurer

Wie Wahlkampf in Coronazeiten funktioniert

Hildfeld. „C“ – eigentlich hat dieser Buchstabe bei der SPD nichts verloren. Doch auf dem Parteitag des HSK-Unterbezirks am Freitagabend in der Hochsauerlandhalle Hildfeld war das C sehr bestimmend. C für Corona. Und die vielen damit verbundenen Auflagen, die die Politiker aller Parteien an der Basis nun wuppen müssen, um trotzdem die Fristen und Formvorschriften bis zum Wahltermin am 13. September einhalten zu können.

Schon vor der Hochsauerlandhalle ist klar: Heute ist alles anders als sonst. Die Wartezeit und die entsprechende Schlange am Eingang sind lang. Die Genossen machen vorschriftsmäßig mit: Schutzmasken, Abstand halten, Reißverschluss-Verfahren. Alle sind gleich, auch Kreis-Vorsitzender Dirk Wiese stellt sich hinten in der Reihe an, die schon bis auf die Straße reicht. Beim Betreten der Halle muss jeder die Hände desinfizieren und sich in eine Adressliste eintragen, um im Zweifelsfall Infektionsketten nachverfolgen zu können.

Seit Freitagmittag wurde die Halle aufgebaut, Tische mit ausreichend Abstand gestellt, Boden-Aufkleber für die Laufrichtungen, Schilder und Desinfektionsmittel-Spender angebracht, berichtet SPD-Kreisgeschäftsführer Karsten Gerlach unter seinem durchsichtigen Schutzschild. „Es gibt 96 Plätze für die geladenen Delegierten und einige Gäste. Wenn mehr Besucher kommen sollten, müssen wir sie leider aus Sicherheitsgründen wegschicken.“ Für alle Teilnehmer herrscht Maskenpflicht in der Halle, nur am Platz darf der Schutz abgenommen werden – und soll wieder aufgesetzt werden, wenn die Wahlhelfer durch die Reihen ziehen, um die verschiedenen Stimmzettel einzusammeln. „Ich hab die schönste!“, sagt Dirk Wiese selbstbewusst. Auf seiner Maske prangt ein Fotodruck vom Briloner Rathaus. SPD-Landratskandidat Reinhard Brüggemann aus Eversberg dagegen hat die Schutzmaske für sich und den Wahl-Slogan „Mehr Rot im Sauerland“ als Werbefläche entdeckt und trägt ein knallrotes Modell mit weißem Partei-Kürzel.

Über der Bühne der Hochsauerlandhalle hängt ein breites Transparent: „800 Jahre Hildfeld“. 2020 sollte das große Jubiläumsjahr des kleinen Dorfes werden. Doch die meisten Veranstaltungen sind bereits abgesagt. Erinnerungen an den Neujahrsempfang in genau dieser Halle im Januar werden wach. Erst vier Monate her und wie in einer anderen Welt. Damals war die fünffache Menge an Besuchern da, es konnte bedenkenlos umarmt, die Hand geschüttelt, sich unterhalten und in engen Reihen gesessen werden.

Durch die großen Abstände ist der Geräuschpegel außerhalb der offiziellen Teile hoch. „Wo bisse wech?“, fragt ein Genosse seinen ihm offensichtlich unbekannten Sitznachbarn. „Was? Ach so – Schmallenberg.“ – „Auch schön.“ Die Unterhaltung erlahmt wieder, das laute Sprechen ist anstrengend. Versammlungsleiter Rainer Mühlnickel trägt eine Botschaft auf seinem knallroten T-Shirt unter dem Jackett: „Mit ABSTAND seid Ihr die Besten“.

Der Parteitag selbst und das Wahl-Prozedere für die Kandidaten-Aufstellungen sind reine Formsache. Die Genossen absolvieren alle erforderlichen Wahlgänge zügig und ohne Debatten. Karsten Gerlach ist erleichtert: „Ich bin froh, dass wir die Aufstellungs-Veranstaltung heute hinter uns bringen und die Listen jetzt beim Kreis einreichen können. Wer weiß, ob nicht noch eine zweite Corona-Welle kommt.“ So oder so wird auch in den nächsten Monaten vieles anders laufen als sonst: „Unsere typischen Wahlkampf-Mittel wie Info-Stände oder Netzwerken auf den verschiedenen Volks- und Schützenfesten fallen weg,  daher müssen wir uns vermehrt auf den Online-Wahlkampf, Anzeigen und Flyer einlassen. Wir hoffen, dass wir damit alle erreichen.“

Die Tagesordnungspunkte werden flüssig abgehakt, die Versammlung dauert unter dem Strich nicht viel länger als das Anstehen im Vorfeld. Rainer Mühlnickel hat zum Abschluss einen Appell an alle: „Bitte nehmt Eure Unterlagen und leeren Flaschen oder Tassen selber mit, damit kein anderer sie berühren muss. Und bleibt noch ein bisschen an der Theke: Die Hildfelder hätten diese Woche eigentlich Schützenfest und freuen sich, wenn noch ein Bier auf Abstand getrunken wird.“ Wahlkampf 2020.